Bella Italia

Bella Italia                                             Urlaub am Meer

„Mensch Herbert, alter Freund, bist du endlich zurück aus dem Urlaub. Lass dich anschauen. Hey, bei der Bräune könnte man direkt neidisch werden.“ Fred klopfte seinem Freund Herbert auf die Schulter. „Komm, setz dich her, trink ein Bier mit mir.“

Herbert ließ sich auf einen freien Stuhl fallen. „Gott sei Dank, alles beim Alten in unserer Kneipe. Wie, als ob ich gerade heimgekommen wäre.“

„Na, Alter, wie war dein erster Italienurlaub? Haste dich wenigstens gut erholt?“

Fred hatte sich neben Herbert gesetzt und schaute ihn erwartungsvoll an.

„Hör bloß auf! Sonne hatten wir ja mehr als genug, viel zu viel sogar, aber alles Andere…Na ja. Wenn meine Marlies nicht unbedingt ans Meer gewollt hätte… Ich wäre ja viel lieber wieder nach Österreich gefahren. Am Neusiedlersee, da findest du wirklich Ruhe und Erholung. Aber in Italien…“

„Hört sich ja nicht so begeistert an. War es denn nicht schön?“

„Um es in einem Satz zu sagen: dreckiges Wasser, viel Lärm und Durchfall.

„Wie dreckiges Wasser, Lärm und Durchfall?“

„Na, das herrliche türkisfarbene Meer. Von wegen. Was du auf Postkarten siehst.. alles gelogen. Eine ekelhafte, schleimige braune Brühe war das, lauter Algen und Quallen. Und dann – unsere Pension. Sie lag direkt am Meer, aber auch direkt neben einer Bar. Ich habe keine Nacht vor fünf Uhr geschlafen. Wie also hätte ich mich da erholen können.“ Herbert nahm einen großen Schluck aus seiner Flasche, seufzte tief und lehnte sich zurück.

„Und was war mit dem Durchfall? Montezumas Rache, vermute ich“, sagte Fred.

„Wenn’s nur das gewesen wäre, hätten wir’s ja in ein paar Tagen überstanden gehabt. Nein Fred, stell dir vor, drei Wochen Durchfall.“

„Drei Wochen? Um Gottes Willen, warum seid ihr denn nicht zum Arzt gegangen?“

„Na, wegen dem Olivenöl.“

„Wie, ihr seid wegen dem Olivenöl nicht zum Arzt?“

„Nein, natürlich nicht. Die kochen doch alles mit billigem Olivenöl. Vielleicht haben sie ja auch Rhizinusöl genommen, die Wirkung war jedenfalls dieselbe. Eine halbe Stunde nach dem Essen fing es in unseren Gedärmen an zu gluckern und zu rumoren und dann hieß es nur noch flitzen, flitzen, flitzen. Pech für dich, wenn gerade kein Klo frei war. Nach zwei Stunden konnten wir dann endlich wieder aus dem Haus, falls wir dann nicht zu erschöpft waren.“

„Hört sich ja wirklich schlimm an. Aber sag mal, irgendwas Schönes habt ihr doch bestimmt auch erlebt?“

„Na klar doch. Zum Beispiel die Fahrt mit dem Ruderboot bei Mondschein. Das war vielleicht romantisch. Drei Tage fühlten sich meine Arme wie taub an und meine Hände waren voller Blasen. Und um allem noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, hatte das Boot ein Leck und wir standen bis zu den Knien im Wasser.“

„Du Armer“, sagte Fred bedauernd, konnte sich ein Lachen aber nicht verkneifen. „Lass uns noch ein Bier bestellen und am besten noch einen doppelten Schnaps dazu.“ Er winkte dem Wirt.

„Hey Martin, bring uns doch noch zwei Bier und zwei Doppelte….“

„Das war aber noch nicht alles“, meldete sich Herbert wieder zu Wort. Weißt du, was das Allerschlimmste war?“

„Nein, noch schlimmer? Geht das?“

„Ich habe in Lebensgefahr geschwebt. Du hast Glück, dass ich noch heil und wohlbehalten neben dir sitze“, sagte Herbert dramatisch.

„Unglaublich“ sagte Fred und musste schmunzeln. „Ich wusste gar nicht, dass du einen Abenteuerurlaub gebucht hast.“

„Das wusste ich ja selber nicht, sonst wäre ich niemals gefahren. Also, das war so: Ich gehe morgens zum Strand, wie jeden Morgen übrigens und will schwimmen. Vor dem Frühstück, verstehst du? Man muss ja was für seine Fitness tun. Also, wie gesagt, ich gehe also ins Meer und schwimme hinaus. Ziemlich weit sogar. Ich drehe mich auf den Rücken und lasse mich treiben. Nach einiger Zeit will ich zurück schwimmen und drehe mich wieder um und genau in dem Moment sehe ich „Es“. Mir bleibt fast das Herz stehen. Ich ringe nach Atem, schreie um Hilfe. Schlucke Wasser, röchle und schaue noch einmal hin. Und…“Es“ war immer noch da.“

„Ja, was denn, um Himmels Willen? Machs doch nicht so spannend“, fragte Fred ungeduldig.

„Eine Flosse!“

„Eine Flosse?“

„Ja, verstehst du denn nicht? Eine Haifischflosse!“

„Nein?“

„Doch! Ich fange also an zu schwimmen. Erwarte jeden Moment verschlungen zu werden. Der Strand in weiter Ferne. Ich drehe mich um, die Flosse kommt immer näher. Ich schwimme noch schneller. Schrei, was meine Lungen noch hergeben.“

„Und, hast du’s geschafft?“

„Mensch Witzbold, veräppeln kann ich mich allein. Säße ich sonst noch hier? Also, ich schleppe mich mit letzter Kraft an den Strand, liege völlig erschöpft da und schnappe nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Von meinen Hilferufen alarmiert, waren die Pensionsinhaber, meine Marlies und andere Gäste an den Strand geeilt und standen um mich rum. Ich keuche nur: Haie… Und, weißt du, was ich dann sah?“

Fred hing wie gebannt an Herberts Lippen. „Ja, was denn?“

„Die Pensionsinhaber bekamen rote Köpfe.“

„Bestimmt wegen der Aufregung wahrscheinlich?“

„Nein, vor unterdrücktem Lachen!“ sagte Herbert wütend.

„Die haben gelacht? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Dich haben fast die Haie gefressen und die lachen?“

„Das habe ich auch gedacht. Doch stell dir vor, der Clou ist: Die Haie waren harmlos.“

„Harmlos?“

Jetzt musste Herbert selber lachen. „Na, so ähnlich wie Haustiere halt. Es waren ungefährliche Katzenhaie, die schon den ganzen Sommer an den Strand kamen, um sich Futter abzuholen. Jeden Morgen und jeden Abend.“

„Das glaub ich nicht!“ Fred schlug sich auf die Schenkel und fing schallend an zu lachen. „Nein, Katzenhaie. Ungefährlich. Ha, ha, ha…“, wieherte Fred.

„Ja, lach du nur auch! Wie sagt man doch gleich? Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen!“

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