Marian, der Kleine Engel (Kapitel 9)

  • Posted on Oktober 5, 2014 at 22:21

Fortsetzung von Marian, der kleine Engel

Kapitel 9

 

Endlich war der Heilige Abend da. Um fünf Uhr stapften Katharina, Sandra und Marian mit Katharinas Eltern durch den hohen Schnee zur Kirche. Vom Himmel fielen große, weiche Schneeflocken und es war bitterkalt. Die Gesichter der Menschen, besonders die Nasen, färbten sich rot von der Kälte. Jeder Atemzug trieb kleine weiße Wölkchen aus den Mündern.

Die Kinderkirche gefiel Katharina und Sandra sehr, besonders natürlich das Krippenspiel. Sie sangen voller Begeisterung die Weihnachtslieder mit. Als die Kirche vorbei war, standen Menschen in Gruppen zusammen und tauschten Weihnachtswünsche aus, bevor dann alle wieder heim in die warmen Stuben eilten.

Bei jedem Schritt knirscht der Schnee unter den Füßen und die Eiskristalle glitzerten wie Diamanten. Alles wirkte so friedlich und still.

Zu Hause angekommen schickten Katharinas Eltern die beiden Mädchen in Katharinas Zimmer und dort mussten sie warten, bis unten das Glöckchen zur Bescherung rief.

Endlich war es soweit und die beiden Mädchen stürmten ins Wohnzimmer. Der Weihnachtsbaum strahlte mit ihren Gesichtern um die Wette. Unter dem Baum lagen viele, bunt eingepackte Päckchen. Da war für jeden etwas dabei, natürlich auch für Sandra. Katharinas Eltern hatten auch für sie Geschenke besorgt und Sandra freute sich sehr. Voller Spannung öffnete sie die bunten Päckchen. Sie hatte von Katharinas Eltern  eine neue Hose und einen wunderschönen roten Pullover bekommen, dazu noch zwei Bücher und jede Menge Süßigkeiten.

„Danke, vielen Dank“, stammelte sie von Freude überwältigt. „So viel habe ich schon lange nicht mehr bekommen.“

Die beiden Mädchen freuten sich sehr und warteten nun, bis auch Katharinas Eltern ihre Päckchen geöffnet hatten. Danach gab es Abendessen und Katharinas Mutter hatte eine Weihnachts-CD aufgelegt.

Nach dem Essen winkte Marian Katharina zu und zeigte ihr, mit ihm in Katharinas Zimmer zu kommen. Katharina wurde mit einem Mal ganz traurig. Der Abschied von Marian war gekommen.

In ihrem Zimmer gab sie Marian sein weißes Kleidchen, das er schnell überzog. Er umarmte Katharina herzlich und küsste sie auf die Wangen. „Es war wunderschön bei euch auf der Erde“, sagte er feierlich, „aber nun freue ich mich sehr, dass ich zu meinen Engelsfreunden zurückkehren kann.“

Katharina begann zu weinen. „Ach, Marian“, schluchzte sie, „ich will nicht dass du gehst.“

„Sei nicht traurig“, tröstete sie Marian, „dein größter Herzenswunsch ist doch nun in Erfüllung gegangen und ich lass dich doch nun nicht alleine zurück. Du hast nun eine Freundin, mit der du wirklich durch dick und dünn gehen kannst.“

Er ging langsam zum Fenster und öffnete es weit. Die kalte Nachtluft drang herein und Katharina fröstelte, während weiter Tränen aus ihren Augen liefen.

„Kleine Katharina“, sagte Marian zärtlich, „ich habe dich so liebgewonnen und ich werde auch in Zukunft auf dich aufpassen. Ich bin ab jetzt dein Schutzengel und wenn du nachts in den Himmel schaust, werde ich als hellster Stern für dich leuchten. Dann weißt du, dass ich da bin.“

Er umarmte sie noch einmal liebevoll und dann schwebte er zum Fenster hinaus. Katharina schaute ihm nach und winkte, bis nichts mehr von ihm zu sehen war. Dann schloss sie das Fenster, wischte sich die Tränen vom Gesicht und ging wieder hinunter ins Wohnzimmer. Sandra wartete schon ungeduldig auf sie.

„Wo warst du denn solange“, fragte Sandra und schaute Katharina forschend ins Gesicht. „Hast du etwa geweint? Stimmt was nicht?“, fragte sie dann besorgt.

„Nein, nein, alles in Ordnung“, lächelte Katharina unter Tränen. „Ich habe geweint, weil ich so glücklich bin, dass ich dich gefunden habe.“

„Da musst du doch nicht weinen“, lachte Sandra fröhlich, „da musst du doch lachen. Hast du vielleicht etwas verwechselt?“

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