Marian, der Kleine Engel (Kapitel 8)

  • Posted on Oktober 5, 2014 at 22:09

Fortsetzung von Marian der kleine Engel

Kapitel 8

 

Am nächsten Tag packte Sandra, nachdem sie sich unter Tränen von ihrer Mutter verabschiedet hatte, ihre Tasche. Nachdem sie die Wohnungstüre sorgfältig abgeschlossen hatte, ging sie mit Katharina zu deren Haus.

Katharinas Mutter begrüßte sie sehr herzlich und sagte ihr, wie sehr sie sich freute, Sandra als Gast zu haben. Unter diesen Umständen fiel Sandra die Eingewöhnung sehr leicht und schon nach kurzer Zeit kam es ihr vor, als ob sie schon lange Zeit hier wohnen würde. Es war alles so sauber und aufgeräumt und am besten gefiel ihr, dass das ganze Haus herrlich duftete und nicht nach Müll stank.

Die Mädchen halfen Katharinas Mutter mit großer Begeisterung beim Backen des Weihnachtsstollens und des Früchtebrotes. Marian saß lächelnd auf der Eckbank und schaute ihnen zu.

Jetzt kann ich ja ganz beruhigt wieder zurück in den Himmel fliegen, dachte er froh. Katharinas größten Wunsch konnte ich ja helfen zu erfüllen. Sie braucht mich jetzt zum Glück nicht mehr so dringend und der Abschied fällt uns jetzt sicher leichter.

„He, ihr Zwei“, schimpfte Katharinas Mutter lächelnd, „wenn ihr weiterhin so viel vom Teig esst, dann hab ich nichts mehr für den Ofen. Außerdem wird euch bestimmt noch schlecht von dem vielen süßen Zeug.“

Katharina und Sandra schauten sich bloß an und fingen an zu kichern. Fröhlich ging der Nachmittag zu Ende und erst abends im Bett dachte Sandra wieder an ihre Mama. Sie wurde ganz traurig.

„Wie es Mama jetzt wohl geht?“, fragte sie leise und wischte sich eine Träne vom Gesicht.

„Mach dir keine Sorgen“, tröstete Katharina ihre Freundin, „dort, wo sie jetzt ist, wird ihr bestimmt geholfen und es wird ihr bestimmt bald besser gehen.

„Meinst du?“, zweifelte Sandra. „Ob wir sie wohl bald besuchen können?“

Katharina legte den Arm um Sandras magere Schultern. „Du hast doch gehört, die Pfleger gesagt haben. In der ersten Zeit darf sie keinen Besuch bekommen, damit sie sich ganz auf sich konzentrieren kann. Aber du wirst sehen, die Zeit geht ganz schnell vorbei.“

Als dann endlich am letzten Schultag die Glocke das Ende des Unterrichts anzeigte, stürmten die Kinder aus allen Klassen lachend und schreiend hinaus. Vor der Schule war bald eine lustige Schneeballschlacht im Gange. Auch Katharina, Sandra und natürlich Marian mischten kräftig mit. Ziemlich nass, aber fröhlich machten sich die drei anschließend auf den Heimweg.

Nach dem Mittagessen halfen sie Katharinas Vater beim Schmücken des Weihnachtsbaumes. Eifrig verzierten sie den Baum mit blauen und silbernen Kugeln, Girlanden, Engeln, elektrischen Kerzen und natürlich mit viel Lametta.

Als der Baum fertig war, standen sie mit leuchtenden Augen davor. Plötzlich stutzte Katharinas Vater. „Was ist denn mit der Spitze passiert?“, fragte er erstaunt und schaute kopfschüttelnd auf die Spitze des Baumes. Dort war statt der kunstvoll geformten Kugelspitze nun eine wunderschöne große Engelsfigur aufgesteckt.

„Ich hatte doch die blaue Kugelspitze angebracht. Wer hat das jetzt ausgetauscht? Und wo kommt überhaupt der Engel her?“

Katharina, die gesehen hatte, wie Marian die Spitzen ausgetauscht hatte, schwieg. Sie schaute sich den Engel genauer an und stellte fest, dass er aussah wie Marian. Es war, als lächelte er vom Baum auf sie herunter und Katharina wurde plötzlich schmerzhaft bewusst, dass der Abschied von Marian unweigerlich näher rückte. Sie wurde ganz traurig, denn sie hatte den kleinen Engel unheimlich liebgewonnen und hätte ihn, trotz ihrer neuen Freundich, liebend gerne behalten.

Sie wusste natürlich, dass das nicht ging und Marian wieder zurück in den Himmel musste. Naja, etwas leichter würde ihr der Abschied nun schon fallen, dachte sie, denn jetzt habe ich ja endlich eine beste Freundin.

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