Marian, der kleine Engel (Kapitel 2)

  • Posted on Oktober 4, 2014 at 19:28

Fortsetzung von Marian, dem kleinen Engel

Kapitel 2

Katharina macht nun, dass sie endlich in die Küche kam. Es war eine große, gemütliche Wohnküche. Vorne waren auf jeder Seite Schränke und hinten stand eine große Eckbank. Alles aus rustikalem Holz. Katharinas Eltern hatten bereits mit dem Abendessen begonnen.

„Wo warst du bloß solange?“, fragte ihre Mutter vorwurfsvoll.

„Tut mir leid, Mama, dass ich so getrödelt habe“, sage Kathi und machte ein schuldbewusstes Gesicht. „Ich soll euch viele Grüße von Omi sagen.“

Katharina merkte erst jetzt, wie hungrig sie war und schnappte sich gleich zwei Brote auf einmal, strich auf beide Frischkäse und belegte sie mit Wurst. Herzhaft biss sie hinein.

„Soll ich dir eine Tomate und eine Gurke schneiden?“, bot ihre Mutter an.

Kathi nickte mit vollen Backen. Sie hatte kaum den Mund leer, da biss sie schon wieder ein großes Stück vom Brot ab.

„Jetzt schling doch nicht so“, sagte Ihre Mutter, „du hast doch Zeit.“

Wenn die wüsste, dachte Kathi und bemühte sich jetzt etwas langsamer zu essen. Aber sie konnte es kaum erwarten wieder zu ihrem neuen Freund zu kommen. Außerdem hatte Marian ja auch Hunger und sie wollte ihn nicht solange warten lassen.

Als sie schließlich alle fertig waren mit essen, bot Katharina freiwillig an den Tisch abzuräumen. Ihre Mutter glaubte ihren Ohren nicht zu trauen. Katharina, die sich sonst mit allen möglichen und unmöglichen Ausreden vor der Hausarbeit drückte, meist mit Erfolg, wollte freiwillig helfen. Da stimmte doch etwas ganz und gar nicht.

„Sag schon, was du angestellt hast oder willst du etwas?“, fragte ihre Mutter misstrauisch.

„Was du schon wieder denkst“, rief Katharina gespielt empört. „Es ist einfach…, ich meine…, ach, weißt du, du tust mir einfach leid, weil du doch immer so viel arbeiten musst“, stotterte Katharina verlegen, „und da habe ich…, naja, da habe ich halt beschlossen dir in Zukunft mehr zu helfen.“

„Ein lobenswerter Entschluss, Kathi“, sagte ihr Vater, schnappte sich die Zeitung und verzog sich ins Wohnzimmer.

„Na los, Mama! Geh du ruhig auch. Kannst ja Fernsehen.“ Mit diesen Worten schob Katharina Ihre Mutter sanft zur Tür.

„Bist du sicher, dass…?“

„Ja, Mama. Nun geh endlich. Und zwar bevor ich es mir doch anders überlege.“

Kopfschüttelnd und noch immer zweifelnd verließ nun auch ihre Mutter die Küche. Katharina atmete auf. Schnell richtete sie ein paar belegte Brote, dazu eine Tomate und ein Stück Gurke. Zuletzt stellte sich alles auf ein Tablett und schob es vorsichtig unter die Eckbank. Anschließend räumte sie die Küche auf und vergewisserte sich zum Schluss, ob sie auch nichts vergessen hatte.

Vorsichtig öffnete Kathi  dann die Küchentür und spähte in den Flur hinaus. Da die Luft rein war, holte sie rasch das Tablett und balancierte es so schnell sie konnte die Treppen hinauf in ihr Zimmer. Aufatmend stellte sie das Tablett auf ihren Schreibtisch und verschloss dann ihre Zimmertüre.

Leise ging Katharina zu ihrem Bett. Marian schlief tief und fest. Sie tippte ihn vorsichtig an, doch er rührte sich nicht. „Marian! Wach auf! Ich hab dir was zum Essen gebracht.“ Sie schüttelte ihn leicht und endlich öffnete er seine Augen.

„Wo…, wo bin ich?“, fragte er verschlafen, setzte sich auf und schaute sich verwirrt um. „Wo ist meine Wolke?“

„Du bist doch vom Himmel gefallen“, sagte Kathi, „erinnerst du dich nicht mehr?“

„Ach ja“, seufzte Marian, als er sich an sein Missgeschick erinnerte. Nun spürte er auch den Schmerz in seinen kleinen Flügeln.

„Schau, ich hab dir was mitgebracht“, sagte Kathi und hielt ihm das Tablett unter die Nase.

Misstrauisch beäugte Marian das Sammelsurium auf dem Tablett. „Sieht ja eigenartig aus, das Zeug. Und du bist sicher, dass man das auch essen kann?“

„Mensch, jetzt zier dich nicht so! Probier doch einfach mal.“

Immer noch skeptisch nahm Marian ein belegtes Brot und roch erst einmal ausgiebig daran, bevor er vorsichtig ein kleines Stückchen abbiss. „Hm, schmeckt nicht schlecht. Was ist das denn für ein roter Ball?“, fragte Marian und nahm ihn in die Hand.

„Ball?“ Katharina musste lachen. „Das ist eine Tomate und das Grüne da, das ist eine Gurke. Beiß doch einfach mal rein.“

Und Marian biss hinein und zwar so, dass das Innere der Tomate nach allen Richtungen spritzte. „Huch“, sagte er, „das ist ja witzig.“

„Mensch, pass doch auf! Du machst alles schmutzig. Du musst langsam zubeißen“, sagte Kathi und nahm schnell ein Papiertaschentuch und putzte die Tomatenspritzer auf. „Der Schlafanzug hat auch was abgekriegt. Jetzt schau ich mal, ob ich was Anderes für dich zum Anziehen habe. Außerdem brauchst du auch noch Strümpfe und Schuhe.“

Maria, der in der Zwischenzeit alles Ratzebutz aufgegessen hatte, schaute entsetzt die roten Flecken auf seinem Schlafanzug an. „Oje, oje“, jammerte er.

„Half so schlimm“, beruhigte ihn Katharina, „meine Mutter wird es wieder waschen.“

Plötzlich drückte jemand die Türklinke herunter. „Kathi, warum schließt du dich ein“, fragte ihre Mutter und klopfte gegen die Türe. „Mach sofort auf!“

„Du jetzt dich jetzt auf das Bett und verhältst dich ganz ruhig“, flüsterte Kathi, schob rasch das Tablett unter ihr Bett und ging zur Tür. Sie drehte den Schlüssel und öffnete.

„Also Kathi“, sagte ihre Mutter mit strenger Miene, „warum schließt du dein Zimmer ab?“

„Aber Mama, das kannst du dir doch denken!“ Katharina lachte. „Schon vergessen – bald ist Weihnachten und da hat man sogar vor seinen Eltern Geheimnisse.

„Oh“, sagte ihre Mutter entschuldigend, „da habe ich jetzt wohl sehr gestört?“ Sie schaute sich neugierig um und setzte sich dann auf Kathis Bett.

„Au!“ Sie hatte sich nichtsahnend auf Marians Hand gesetzt, der sie nicht mehr rechtzeitig weggezogen hatte.

„Was hast du?“, fragte Kathis Mutter überrascht.

„Was soll ich denn haben?“, tat Katharina unschuldig. Natürlich hatte auch sie Marians Schmerzensschrei gehört.

„Warum hast du ‚Au‘ gesagt?“

„Ich habe doch gar nicht ‚Au‘ gesagt“, sagte Katharina und wurde rot. Bloß gut, dass es nicht so arg hell ist in meinem Zimmer, dachte sie.

„Doch, ich habe es ganz deutlich gehört“, beharrte ihre Mutter.

„Aber Mama, wenn ich ‚Au‘ gesagt hätte, dann wüsste ich das. Ganz sicher“, sagte Katharina.

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Na, dann nicht.“ Sie stand auf, strich sich den Rock glatt und ging zur Türe. „Dann werde ich dich mal wieder allein lassen mit deinen kleinen Geheimnissen“, sagte sie und verließ das Zimmer.

„Puh, das war knapp“, sagte Katharina und blies Luft aus ihren Backen. „Sag mal, Marian, kannst du mir nicht verraten, wie man das macht? Ich meine sich unsichtbar zu machen?“

„Nein, tut mir leid. Das können nur Engel“, sagte Marian stolz.

„Schade“, meinte Kathi, „das hätte einen Riesenspaß gegeben. Ich meine, in der Schule. In einem Moment wär‘ ich da, im anderen weg.“ Sie kicherte.

„Ja“, sagte Marian, „ das kann ich mir schon vorstellen.“ Er gähnte herzhaft. „Ich bin so müde.“

„Okay, dann lass uns schlafen gehen“, sagte Katharina.

„Wo soll ich denn schlafen?“ fragte Marian.

„Natürlich in meinem Bett.“

„Und du?“

„Ach, jetzt komm. Wir passen da schon beide rein. Es ist doch wirklich breit genug“, lachte Katharina auf. „Ich geh noch schnell ins Bad.“

„Bad?“, wunderte sich Marian. „Was ist das?“

„Du weißt nicht was ein Bad ist?“, fragte Kathi überrascht. „Komm mit, ich zeig’s dir.“ Sie nahm Marians kleine Hand und ging mit ihm über den Flur in das Badezimmer. „Schau“, sagte sie und deutete auf die beiden Waschbecken, „da wäscht man sich das Gesicht und putzt sich die Zähne. Das große Weiße da ist eine Badewanne. Da lässt man Wasser rein und dann legt man sich rein. Daneben, das ist eine Dusche. Da kommt das Wasser von oben, man seift sich ein und wäscht sich dann ab“, erklärte sie.

Marian schaute sich alles genau an. Er beobachtete wie sich Katharina wusch, die Zähne putzte und ihre Haare kämmte. Es fand das sehr interessant, so etwas hatte er noch nie gesehen. „Warum macht ihr das denn?“, fragte Marian neugierig.

„Damit wir sauber sind und nicht stinken und unsere Zähne nicht kaputt gehen“, antwortete Kathi geduldig.

„Kann ich denn auch mal?“, fragte er.

„Klar. Komm her.“

Marian öffnete den Wasserhahn so wie Kathi es ihm gezeigt hatte. Allerdings zog er den Hebel ganz nach oben und es kam so viel Wasser, dass es nach allen Seiten spritze. „Ui“, kreischte Marian begeistert.

Kathi drückte rasch den Hebel wieder nach unten. „Du darfst es nicht so weit aufmachen. Es wird ja alles nass.“

Marian hielt seine Hände unter den Wasserstrahl und Kathi konnte ihn gerade noch davon abhalten seinen Kopf auch noch darunter zu halten. Sie drückte ihm ein Handtuch in die Hand und zeigte ihm, wie er sich abtrocknen sollte.

Endlich waren die beiden fertig zum Schlafengehen. Sie legten sich in Katharinas Bett und Marian kuschelte sich eng an Kathi. Keine zwei Minuten später waren sie auch schon eingeschlafen.

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